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Endlich fertig

Habemus Rosengitter! Es hat mehrere Wochen gebraucht, aber jetzt ist es fertig. Ich habe es zusammengeschraubt, die Pfosten eingegraben und der große Rosenbusch steht wieder wie ne Eins. Das klingt vielleicht nicht nach einer sonderlich großartigen Leistung, aber ich bin echt stolz darauf. Die Nachbarin hatte Zaunteile übrig, eins davon ein Gitter. Dazu ein paar Pfosten. Und da der große Rosenbusch immer mehr auseinanderfiel, dachte ich mir: Links und rechts nen Pfosten dran und fertig ist ein prima Rosengitter! Gesagt, getan.

Aber es stellte sich als kompliziert heraus: Zum einen bin ich nicht wirklich die Handwerkerin – auch wenn der Werkunterricht im Osten zumindest für die Basics (Feilen, feilen, feilen! 😛 ) gut war. Zum anderen fehlten passende Schrauben und Bolzen. Also maß ich alles aus, fuhr zum Baumarkt, holte Schrauben, die sich als falsch herausstellten, tauschte sie um – nur um dann festzustellen, dass genau der benötigte Bohrer im Kit fehlte. Dass das Holz verdammt hart war. Und dass es die Bolzen in der benötigten Länge gar nicht gab. Da ich wenig Zeit hatte, lagen immer längere Pausen dazwischen. Die ersten beiden Versuche scheiterten, aber am Ende schaffte ich es (nachdem ich den richtigen Bohrer besorgt hatte). Hab sogar noch die überstehenden Bolzen abgesägt – wenn schon, denn schon.

Rose ohne Gitter mit Blüte

Das ist jetzt ein paar Tage her, aber ich denke immer noch beglückt an das Rosengitter. Es steht da als Mahnmal der Hoffnung, dass ich vielleicht auch noch anderes Zeug zu bauen in der Lage bin. Aber vor allem: Das Rosengitter ist FERTIG. Ja, Mann! Es steht und sieht gut aus und tut genau das, was es soll: die Rose stützen. Fertiger geht’s nicht.

Genau wie so ein Pferdestall fertig gesäubert ist, wenn man alle Bollen rausgesammelt und frische Streu verteilt hat. (Dann kommen die Pferde rein, zeigen keinerlei Regung und pissen erst mal einen dicken Strahl. 😀 ) Aber egal. Für einen Moment gibt es einen perfekten Zustand.

Das Rosengitter

Beim Schreiben ist das nicht so. Ein Text ist nie fertig – man kann da eigentlich endlos dran rummachen. Oft habe ich nicht das Gefühl, meine Gedanken auch nur annähernd kohärent rüberzubringen. 🙁 Manchmal, wenn mir etwas gar nicht rund vorkommt, stampfe ich es ein und fange komplett neu an. Oder die Redaktion hätte das Pferd (höhö!) gern von hinten aufgezäumt. Oder den Mittelteil als Einstieg. Kann man auch machen, geht alles. Anders als beim Rosengitter, wo es schon Sinn macht, dass die Füße unten sind. 🙂 Bei einem Text fließt alles, alles ist relativ. Das ist einerseits ganz cool, aber dadurch wird das Ergebnis auch schwer zu greifen.

Ich muss mich oft gewaltsam von einem Text loseisen und mir selbst gut zureden, dass es jetzt mal gut ist. Oder gut genug. Manchmal lese ich einen alten Text und finde den dann doch ganz in Ordnung. Aber in dem Moment, wo ich mit ihm fertig bin, kommt er mir unzulänglich, höchstens ausreichend vor. Eine Vier!

Genauso bei Konzepten, Strategien und Vorträgen. Die könnten immer noch besser, ausgefeilter, mehr auf den Punkt sein. Noch näher dran an der ZIELGRUPPE. „Das reicht nicht. Das ist nicht genug. Da geht noch was“, behauptet meine innere Stimme. Und so hat man das Gefühl, nie wirklich fertig zu werden.

Auf Twitter hat Bastian Wilkat mal diese Fertig-Liste geteilt – seitdem hängt sie neben meinem Schreibtisch.

Andererseits bekomme ich für meine Texte und Vorträge immer mal nette Zuschriften von Leser*innen – so wie heute früh wieder. Das wird wohl beim Rosengitter nicht passieren. 😉

Header Photo by Russ Ward on Unsplash, Foto Rose: privat

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Ein Kommentar

  1. Kirsten Gutmann

    Liebe Lu, doch das Rosengitter ist sehr schön geworden. Und jeder Pflanze der geholfen wird
    ist im nächsten Jahr ja auch wieder Futter für Bienen oder andere Insekten.

    Also von Pflanzenkümmerin zu Pflanzenkümmerin > hast du toll gemacht.

    Und deine Texte sind immer so gut wie Sie sind. Ich lerne viel und lese Sie gerne.

    Liebe Grüße Kiri

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