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Technikterror

Vielleicht werd ich einfach alt. Aber langsam macht mich dieser Technikterror wahnsinnig. Es fing an mit Facebook. Ich wollte damals gar nicht rein, aber Facebook schickte mir ständig E-Mails, in denen stand, wer von meinen Kontakten schon alles auf Facebook sei. (Eigentlich schon voll der penetrante Erstkontakt. Und woher kannten die überhaupt meine Kontakte? Haha.)

Dann kam mein erstes Fernstudium und da wir Studis über ganz Europa verstreut waren, schien es eine gute Idee zu sein, via Facebook in Kontakt zu bleiben. (Fun fact: Habe eigentlich zu niemandem aus dem Studium mehr Kontakt, leider. Dafür weiß ich genau, wo sie wann im Urlaub waren und wie alt ihre Kinder gerade sind. Is ja auch was.)

Dann kam WhatsApp. Alle waren ganz wild drauf – als Apple Userin habe ich den Sinn nicht gesehen, es gab doch schon iMessage, das konnte genau dasselbe. Aber okay, irgendwann war der Druck der untertechnisierten Android-Fans 😛 zu groß und ich habe es runter- (und damit alle meine Kontakte rauf-) geladen.

Irgendwann las ich etwas über Datenschutz und dass Edward Snowden Signal verwendet. Kurz entschlossen schmiss ich WhatsApp wieder runter und stieg auf Signal um. Damals war ich allein auf weiter Flur – auf meine Einladung hin luden sich schlappe drei Menschen die App runter, einer davon war meine Mutter.

Als ich dann zu Extinction Rebellion kam, lief die Kommunikation zu meinem Erstaunen nicht nur über Signal, sondern zusätzlich über Telegram. Andere schworen auf Wire, aber davon hatte ich mich längst schon wieder verabschiedet. Zentrale Plattform war Mattermost – ich lud mir also eine weitere App runter. Bei all dem muss man sich zusätzlich merken, wer auf welchem Kanal ist oder wer welchen Kanal präferiert. Nur weil man irgendwo angemeldet ist, heißt es ja noch lange nicht, dass man da auch mal reinschaut.

Aber nicht nur im Privaten ist es so. Auch meine Kund*innen sind technisch sehr, ähm, breit aufgestellt: Die einen machen alles auf Google Docs, die anderen nutzen Office in Sharepoint. Beides sind keine vollwertigen Textverarbeitungsprogramme und die ganze Usability nervt. „Aber dann können wir alle an dem Dokument arbeiten.“ Seit wann ist das etwas Gutes?? 😛 Ich gratuliere mir immer selbst, wenn ich Kund*innen alter Schule habe, wo wir uns die Word-Dokumente schön per E-Mail (oder, wie meine Tante immer sagt, per Emil) hin- und herschicken.

Der neuste Schrei ist, dass jedes Unternehmen ein eigenes Abrechnungs- bzw. Freelancer-Management-System hat. Das ist super praktisch – für das Unternehmen. Ich hingegen muss mich ständig bei irgendwelchen Plattformen registrieren, auf denen ich gar nicht sein will. Ich gewinne meine Kund*innen nicht über Plattformen – bin doch nicht verrückt. 😀

Eine Freundin hat neulich sogar davon Abstand genommen, sich auf einen Job zu bewerben. In der Stellenanzeige stand: Wir benutzen Slack und Asana und die Google Suite. Sie hatte keinen Nerv, sich schon wieder umzustellen. Vielleicht sind wir wirklich zu alt.

Es versteht sich wohl von selbst, dass jedes Unternehmen, bei dem ich unterrichte, eine eigene Lieblingssoftware für Webinare hat: Gotomeeting, Teams, Webex usw. Ich verwende am liebsten Zoom, da kenne ich mich aus und es hat viele nützliche Funktionen. Ich behaupte mal, dass auch die meisten Teilnehmenden damit am besten klarkommen. Aber nein! Das Leben wäre zu einfach, wenn sich alle mal auf irgendwas einigen könnten. Und so halte ich mal mit dieser, mal mit jener Software meine Seminare ab.

Neulich schrieb jemand, als es wieder um die Webinar-Software ging: „Kennen Sie Rainbow?“ Nein, ich kenne Rainbow nicht. Ich will es auch gar nicht kennen. 😛

via giphy.com

Photo by Alexander Shatov on Unsplash

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6 Kommentare

  1. Du hast ja so Recht! Es ist eine Pest sich mit drei Messengern herumzuschlagen, sich ständig mit neuer Meeting-Software herumzuschlagen und dergleichen mehr.
    Mir persönlich reicht es jetzt endgültig. WA fliegt von meinen Geräten, zum Beispiel. Habe lange genug für Signal geworben – wer partout bei der Datenkrake bleiben will, muß mich künftig eben anrufen oder mir eine Mail schicken.
    Ein wenig Mut braucht man für dieses Ausklinken schon. Es kann sein, daß einem Dinge entgehen, die wichtig gewesen wären. Doch wenigstens was die Messenger angeht, bin ich optimistisch. Irgendwann werden die Freunde alle verstanden haben welche Datenmengen sich Whatsapp da abgreift.
    Bis dahin bin ich eben ein Dinosaurier. Willkommen im Club!

  2. Skully

    Sich von WA zu verabschieden ist easy. Vorher einen Post die es wissen müssen, mitteilen wo man jetzt erreichbar ist und WA löschen.
    Habe ich gemacht als Hr. Zuckerberg WA übernommen hat und an dem Wochenende mal gleich alle Daten von WA in Facebook integrierte. Das wusste ich bereits vorher und hab WA gelöscht.
    Wer mich in den letzten Jahren erreichen will tut das über SMS, Signal oder Mail. Funzt.
    Gruss Skully

  3. Ooooh, dieser Text spricht mir SO aus der Seele! Danke! <3

  4. Marion

    Oh, jaaaahhh. *seufz
    So wahr.
    Danke

  5. Kanoni

    Ich finde es nicht schwierig, sich in die Verschiedenen Apps und Programme reinzuarbeiten. Meistens haben sie zu 95% die gleichen Funktionen, das hat man schnell raus. Etwas härter ist dann der Umstieg von Windows auf Linux, aber das wird auch noch mit der Zeit. Muss ich leider zu bestimmen Zwecken aktuell lernen.

  6. der Alex

    Okay, einigen wir uns auf eins: Faxe. Mehr braucht es nicht. Alles andere ist moderner Schnickschnack. Vielleicht noch ein Dosentelefon.

    Nein, ich versteh schon was dich zu diesem Text bewegt hat. Und ja, man darf sich nicht zur Geisel der Technik machen. Aber auch umgekehrt nicht zur Geisel eines Systems.

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