Das Jahr 2025 scheint das Jahr der neuen Hobbys zu werden – und das, obwohl mein Jahresmotto doch genau in die entgegengesetzte Richtung weist. Schuld daran ist wohl der Kraftsport, der unerwarteterweise eine ganze Lawine von positiven Folgen in Gang gesetzt hat. Das müssen diese Myokine sein, die vor Kurzem entdeckt wurden. Jedenfalls habe ich viel mehr Bock und Kraft, neue Sachen auszuprobieren. Freunde hatten mir immer wieder vom Bogenschießen erzählt und jetzt bin ich mal mitgegangen. Und das war life-changing, wie es so schön heißt.
Ich muss dazu sagen: Das war kein gewöhnliches Bogenschießen, falls es sowas überhaupt gibt, sondern intuitives Bogenschießen. Es ging also nicht darum, irgendwo draufzuballern und der oder die Beste zu sein. Das ist ja schon mal für die meisten Menschen in unserer Leistungsgesellschaft ziemlich ungewohnt. Wie jetzt, es ist egal, ob ich das Ziel treffe?!
Beim intuitiven Bogenschießen geht es eher darum, sich damit auseinanderzusetzen, was beim Bogenspannen, Pfeil einlegen, anvisieren, schießen und danach mit einem passiert. Das klingt vielleicht langweilig, ist es aber überhaupt nicht, wenn man sich erst mal drauf eingelassen hat. Die Lehrerin brachte uns nicht nur das Bogenschießen bei, sondern gab uns immer wieder subtile Impulse, etwas anders zu machen.
Und was soll ich sagen: Für mich war es der absolute Hammer. Fast wie bei meinem ersten buddhistischen Schweige-Retreat, wo mir ein ganzer Lampenladen aufging. Nur mit mehr Spaß und ohne Rückenschmerzen. 😉 Oder der Trommelworkshop mit meinen Kolleg*innen, wo sich die Persönlichkeit von allen so deutlich darin ausgedrückt hat, wie sie trommeln. Das war schon fast etwas unangenehm. 😀
Das Bogenschießen hat interessanterweise einen therapeutischen Effekt, der über das psychische hinausgeht. D. h., ich spüre diesen Effekt körperlich und das ist wirklich unglaublich. Ich hab länger überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben soll, weil es sich so schwer in Wort fassen lässt, was da passiert. Ich sammle und zentriere mich, was für mich wichtig ist, da ich schnell in alle Richtungen zerfasere. Und hier passt es dann wieder mit meinem Jahresmotto: Fokus!
Das Ziel nicht aus den Augen verlieren, ist wirklich schwierig für mich. Das wird nicht gerade dadurch erleichtert, dass ich plötzlich wieder Bock auf und Kraft für neue Leute und neue Erfahrungen habe. 😀 (Ich wollte eigentlich „die Ziele“ schreiben, aber das macht ja aus Bogenschießen-Sicht überhaupt keinen Sinn. Auch so eine Erkenntnis.)
Ich legte also meinen ersten Pfeil in die Nocke, visierte das Ziel an, spannte den Bogen und – nichts! Tja, offenbar fällt es mir schwer loszulassen. Das wusste ich natürlich schon. Immerhin hatte ich 8 Jahre gebraucht, um mich vom falschen Job zu verabschieden 😉 , aber das mal körperlich zu spüren, war eine ganz neue Dimension.
Da wir ja in einer sehr verbalen Kultur leben und ich auch noch im wahrsten Sinne des Wortes von Sprache lebe (solange ich meinen Job nicht endgültig an die KI verliere, aber dazu später mehr), eröffnet es mir einen ganz neuen Zugang, die Dinge mal nicht über die rationale, lineare, sprachliche Ebene zu erfahren. Ich würde fast sagen, die Einsicht nimmt eine Abkürzung.
Und so bringt jede Session eine neue Erkenntnis – und das angenehme Gefühl, sich aufzurichten wie ein Bogen, dessen Sehne abgespannt wird.
Neulich war ich kurz davor, eine Datei zum humpftigsten Mal aufzumachen, um wenigstens „noch einmal final drüberzugehen“. Ich dachte an meinen ersten Pfeil und das Loslassen und drückte auf „Senden“.
Wenn ich Leuten davon erzähle, sagen überraschend viele: „Oh, Bogenschießen! Das wollte ich auch schon immer mal ausprobieren.“ Macht es.
Foto: Lydia Krüger


Guten Morgen aus Chamonix.
Isjanichwahr…dachte ich eben. Du nun beim Bogenschiessen.
Mache ich seit 8 Jahren. Mittlerweile nicht mehr auf Scheiben. Heute gehe ich in 3D Bogenparks. Das ist mit Gelände noch reizvoller. Vielleicht kommst du ja auch mal dazu.
Schönen Sonntag dir
Steffen
Heyyyyy, 1. Chamonix (lieb’s) und 2. 3D-Bogenparks. Du lebst mein Leben! 🤣 Werde ich mir mal anschauen.
Bogenschießen ist einfach toll. Besonders draußen im 3D-Parcour, habe ich lange gemacht und vermisse es sehr.
Noch toller für die Erkenntnis soll wohl Kyudo sein, da wird das Nicht-Denken zelebriert. Findet sich in Berlin bestimmt war, bei uns in der Provinz leider nicht.
Bleib dran!
LG Angharad
P.S. ich habe gerade mit Laufen angefangen, das macht auch was mit einer.
Das ist ja toll, dass ich so viele Bogenschütz*innen unter meiner Leserschaft habe. 🏹 Ihr seid einfach die coolsten! 😍 Kyodo gibt es bei mir um die Ecke. Das hab ich schon auf der Liste als nächsten Schritt. 😉 Aber erst mal mach ich noch weiter mit dem intuitiven Bogenschießen. 3D klingt super, aber kurzes Googlen zeigt, dass da auf Tierattrappen geschossen wird?! 😱 Das wäre nix für mich …
naja wenn du eine 30 cm große Biene aus Weichschaum assoziiert mit echtem Leben, dann wird es schwierig. Meist sind die Teile übergroß dargestellt und wirken weder echt noch natürlich. Zielscheiben im Wald alle paar Meter aufzustellen wäre aus meiner Sicht unpassend bis bescheuert. Da die Ziele unterschiedlich groß sind, Bedarf es zusätzlich zum Gelände auch mehr innere Ruhe und Konzentration. Aber wir immer im Leben, jedem das Seine. Ganz klar.
Auf Bienen schießen?? Hallo, ich bin bei den GRÜNEN! 🐝💚🌻