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Kategorie: Persönlich

Alles stabilo

Ich dachte, ich sei unverwundbar. „Es gibt 5.000 Euro Zuschuss für Selbstständige, hol dir das doch mal“, mahnte meine Mutter. „Bevor’s alle ist.“ Und ich so: „Nee, das ist doch für die, denen gerade alle Aufträge wegbrechen. Bei mir läuft’s ja.“ Einen Tag später halbierte der erste große Kunde das Budget. Für einen Moment fühlte es sich an, als ziehe man mir den Boden unter den Füßen weg. Panik. Ich hatte gedacht, dieser Kunde wär systemrelevant. Naja, hab ich wohl nicht zu Ende gedacht. Bitte immer alles zu Ende denken, Frau Krüger! Aber OK, das Budget ist noch halbvoll. Noch. Ich googlete sofort den Zuschuss. Frau Krüger sorgt vor. Ich war dann Nummer 476.342 oder so in der Warteschlange. „Es sind noch 247.773 vor Ihnen.“

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Pandemie: Gute Zeiten, schlechte Zeiten

In Zeiten der Pandemie gibt es drei Sorten Mensch: Die einen stecken den Kopf in den Sand und wollen gar nicht wirklich wissen, was los ist. („Alles so schrecklich, mach bloß den Fernseher aus.“) Die anderen leisten trotzig Widerstand und leben ihren Egoismus aus, wenn Gemeinsinn gefragt ist. In Asien nennt man das die „europäische Arroganz“. Und dann gibt es noch Menschen, die die Entwicklung aufmerksam verfolgen und versuchen, ihr immer einen Schritt voraus zu sein. Zu denen zähle ich wohl.

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Unser aller Rassismus

Wie Euch vielleicht aufgefallen ist, habe ich den Untertitel meines Blogs geändert. Statt „die menschliche Seite der Arbeit“ heißt er jetzt „Mensch – Arbeit – Leben“ (nicht zu verwechseln mit „Weltall – Erde – Mensch“, hehe, kleiner Insidergag für die Ossis). Ich habe schon länger das Gefühl, dass ich über die Arbeitswelt hinaus schreiben will, auch wenn Arbeit immer ein wichtiges Thema bleiben wird. Ich hab nur keine Lust, Texte mit Gewalt auf Arbeit zu trimmen. Außerdem passiert gerade so viel in diesem Land, zu dem ich mich äußern möchte. Los geht’s also:

WHAT THE FUCK, DEUTSCHLAND?!

„Ich erkenne mein Land nicht wieder“, diesen Satz hatte eine brasilianische Freundin mal gesagt. Sie bezog sich darauf, dass, seit der Faschist Bolsonaro dort an der Macht ist, sich plötzlich alle bewaffnen wollen. Jeder, der etwas gegen den neuen Führer sagt, bekommt eine Kugel zwischen die Augen – auch ein Freund von ihr. Nun ist es hier Gottseidank noch nicht so weit, aber anscheinend sind wir auch auf dem Weg dorthin. Ich meine: Hanau?! Da marschiert ein Nazi in einen Kiosk und eine Shisha-Bar und richtet Leute hin, schaut denen in die Augen und knallt die ab, einfach so, nur weil sie dunkle Haare haben. Ich fasse es immer noch nicht.

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Allein unter Wessis

Meine Güte, hätte ja nicht gedacht, dass ich DIESES Fass noch mal aufmache. Oder überhaupt aufmache. Ich hab ja lange gedacht, ich steh über dieser Ossi-Wessi-Thematik. Um nicht zu sagen, ich hab immer für eine ordentliche Distanz zum heimischen Osten gesorgt. Also eine mentale Distanz**, ich wohne ja im Osten Berlins. Allerdings wohne ich im verwestlichtsten Teil des Ostens, im durchgentrifizierten Prenzlberg. Um mich herum nur Leute aus Schwaben und dem Sauerland. 😀 Aber dann gibt es so Phasen, wie neulich anlässlich von 30 Jahren Mauerfall, da komm ich nicht am Osten vorbei.

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Grüße aus der Smalltalk-Hölle

„Und, bist du gut reingerutscht?“ „Jau, ganz entspannt. Und du?“ Die Feiertage sind eine Qual für Smalltalk-Hasser*innen. Und ich bin eine von ihnen. Nicht, dass ich nicht gern rede. Ich höre auch gern zu (seit meiner Stimmbandlähmung werde ich gezwungenermaßen immer besser darin) – wenn es denn was Interessantes zu hören gibt. Futter für meine Fantasie, bitte. Erzählt mir, wie Ihr Eisschießen ausprobiert oder beim letzten Ehekrach eine Tasse an die Wand geschleudert habt oder meinetwegen wie die Furunkel-OP gelaufen ist.

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Berlin, ick hasse dir

Berlin und icke – das war von Anfang an eine Hassliebe. Mehr Hass als Liebe. Von beiden Seiten. Ich bin zwar hier geboren, aber an die ersten drei Jahre habe ich keine Erinnerung. Dann zogen wir nach Moskau, und in Russland ist man als Kind der King. Damals war es jedenfalls so. Ständig steckte mir jemand Konfekt zu, in der Metro standen die Omas auf, damit das Kind mit seinen schwachen Beinchen sich hinsetzen kann. Dann, mit neun Jahren, kam ich nach Berlin. Ich hatte dem Umzug entgegengefiebert. War ja schließlich meine Heimat, dachte ich. Endlich würde ich mich überall in meiner Muttersprache verständigen können. Ich fühlte mich wie ein Fisch, der endlich zurück ins Meer durfte.

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Von den Bergen lernen

Erst mal ein lustiges Gedicht. Dann die nicht ganz so lustige Story dazu.

Die Bergkönigin

Wer schnauft und ächzt bergauf mit Not?
Es ist die Bergkönigin – schon jetzt halbtot.
Trotz Stütze durch der Stöcker zwei
Zieht jeder flugs an ihr vorbei.

Gazellengleich sieht sie die andern
Schon fast im Lauf nach oben wandern.
Nun ja, sie wusste vorher schon:
Es mangelt ihr an Kondition.

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