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„Das kann ich auch“: Wissen vs. Erfahrung

Jeder hat wohl schon mal vor einem Kunstwerk gestanden und gedacht: „Naja, das hätte ich auch hingekriegt.“ Was Quatsch ist, denn 1. steckt meistens mehr drin, als man auf den ersten Blick sieht. Und 2. hast du es eben nicht getan – jemand anders schon.

Diese Denke, dass alles tierisch einfach ist und jeder alles kann, scheint sich immer mehr zu verbreiten. Als jemand aus einer „weichen“ Branche, der Kommunikations- und Medienwelt, bin ich das schon länger gewohnt.

Vor einigen Jahren haute mich eine ehemalige TV-Kollegin (und damals noch Freundin) an: „Hey, in meinem Sender ist ein PR-Job freigeworden. Ich bewerb mich da jetzt mal. Dann setzen wir uns mal ein Wochenende zusammen und du bringst mir alles über PR bei.“ Ähm, genau.

Das ist unverschämt auf so vielen Ebenen: keine Ahnung von der Komplexität des Jobs, keinen Respekt vor meiner Qualifikation und nicht zuletzt die aberwitzige Vorstellung, ich würde kostenlos ein Wochenende investieren, um ihr „meinen Job beizubringen“.

Ein anderer Freund war bass erstaunt, als er mal einen Text von mir sah. „Was, mit sowas verdienst du so viel Geld?!“

Berater kommen an dieser Stelle gern mit der Picasso-Story um die Ecke. Wahrscheinlich ist sie erfunden, aber im Kern trotzdem gut. Sie geht so: Picasso wollte ein Bild verkaufen und nannte seinen Preis. Der Käufer war empört: „Was, für die drei Striche soll ich so viel Geld zahlen?“ Picasso antwortete: „Sie zahlen nicht für die drei Striche. Sie zahlen für die 30 Jahre, die ich gebraucht habe, um diese drei Striche genau so zu malen.“

Erfahrung ist teuer. Wer mich fürs Schreiben bezahlt, bezahlt all die Jahre mit, in denen ich gelernt habe zu formulieren, Worte zu drehen, zu schieben und auszuwechseln, bis alles passt.

Das angelesene Wissen

Gunter Dueck unterscheidet zwischen booksmarten und streetsmarten Menschen. Die einen haben ihr Wissen aus Büchern, haben studiert, beobachtet, reflektiert.

Die anderen haben ihr Wissen „von der Straße“. Sie haben vor allem aus Erfahrungen gelernt. Mir scheint, dass diese Art von Wissen, Können und vor allem Intuition wenig geschätzt wird.

Stattdessen trifft man ständig Menschen, die einem ihr angelesenes (oder TV- oder Internet-)Wissen um die Ohren hauen, ohne selbst praktische Erfahrung zu haben.

Immer wieder schön, wenn mir als Globetrotter andere Menschen erzählen, wie es in dem und dem Land so ist. Und wenn ich dann antworte: „Naja, also, ich war da und habe es ganz anders erlebt“, dann wird das negiert. Wenn sie das so im Fernsehen gesehen haben, dann muss es wahr sein.

Wissen kann Erfahrung nicht ersetzen. Ich glaube, das ist einer der größten Irrtümer unserer Zeit. Ich kann mir ratz-fatz im Internet (oder durch Bücher) Informationen über alles Mögliche beschaffen – das macht mich noch lange nicht zur Expertin.

SABTA für alle

Heutzutage werden schon die Schulkinder (wie ich selbst in einer Grundschule erleben durfte) dazu angeleitet, sich im Internet irgendetwas zusammenzukopieren und das dann mit Powerpoint oder auf Plakaten zu präsentieren. Mini-Instant-Experten.

Ganz nebenbei lernen sie SABTA (= selbstbewusstes Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit). Früh übt sich, was einmal ein Dummschwätzer werden will. Nix gegen Präsentationsskills – aber ob ich über Baumhäuser was gelesen habe oder selbst eins konstruiert habe, ist ein Unterschied. Habe ich immer wieder welche gebaut, werde ich irgendwann zur Expertin für Baumhäuser.

Ich war mal in einem Projektmanagement-Seminar. Die Dozentin hatte viele Jahre lang Tankstellen-Projekte in der Dritten Welt geleitet. Eine Aussage von ihr blieb bei mir hängen: „Wenn du das erste Mal eine Tankstelle baust, musst du den doppelten Preis verlangen. Einfach, weil du das Risiko gar nicht einschätzen kannst und viele Fehler machen wirst. Mit jeder weiteren Tankstelle wird es günstiger.“ Klar, weil die Erfahrung und das Können wachsen.

Tatsächlich kam mir später bei einer Ausschreibung mal ein Anbieter unter, der doppelt so teuer war wie die anderen. Es stellte sich heraus, dass die Firma noch nie zuvor so eine Aufgabe wie die ausgeschriebene bewältigt hatte. Das hielt die Typen allerdings nicht davon ab, einen auf dicke Hose zu machen („Wir haben schon direkt mit dem Oberhäuptling gesprochen.“) SABTA halt.

Ohne Erfahrung ist Wissen oft nutzlos

Ganz praktisch durfte ich diese Erfahrung machen, als ich selbstbewusst einer Freundin mitteilte, wir könnten doch den kaputten Homebutton ihres iphones selbst austauschen. Nehmt das, Abzockerwerkstätten! Selbst ist die Frau! Ratz-fatz war ein Werkzeugset im Internet bestellt. Dann saßen wir da, schauten uns das DIY-Video (oder vielmehr mehrere) an und fingen an, das Telefon auseinanderzunehmen.

Tja, da sind viele winzige Teile drin. 🙂 Wir haben sie vorschriftsmäßig auf einem Tablett aufgereiht, damit ja nix verloren geht. Beim Wiederzusammenbauen fingen die Probleme an. Irgendwie schien der Typ im Video einen Schritt zu überspringen. Oder die Kamera war ungünstig platziert. Jedenfalls konnten wir nicht erkennen, was zur Hölle er da tat.

Da aber jeder einzelne Schritt wichtig war (schließlich wollten wir das 600-Euro-Telefon nicht schrotten), spulten wir mehrmals vor und zurück und versuchten herauszufinden, wie wir dieses eine Teil wiedereinbauen sollten. Uns fehlte nämlich die ERFAHRUNG; wir schraubten schließlich zum ersten Mal an einem iphone herum und hatten keine Ahnung, wozu die Einzelteile dienten und wo sie hingehörten. Wir waren komplett abhängig von dem verdammten Video.

Auch andere Videos halfen uns nicht weiter. Wir mussten also raten, was zu tun war. Beim Reinfriemeln des Bauteils knickten wir versehentlich einen Draht ab und uns war sofort klar: Ui, das ist nicht gut! Wir setzten das Telefon wieder zusammen. Der neue Homebutton funktionierte einwandfrei. Allerdings gab das iphone nach einigen Wochen den Geist auf. Hätten wir es zu jemandem gebracht, der Erfahrung damit gehabt hätte, wäre es wohl noch am Leben.

Google dir einen

Das Internet verleitet uns dazu, immer „booksmarter“ oder vielmehr googlesmarter zu werden. Niemand geht doch noch ungegooglet zum Arzt, oder? Vor dem Notartermin hat man sich im Internet mal eben übers Erbrecht schlaugemacht; bevor man eine Versicherung abschließt, hat man sich vorher die verschiedenen Produktbeschreibungen durchgelesen.

Die reale Begegnung mit echten Experten ist dann oft eine Offenbarung. Die Ärztin kann aus Erfahrung viel besser einschätzen, welche Symptome überhaupt wichtig sind und was sie bedeuten. Der Notar hat schon die unglaublichsten Familienkonstellationen kennengelernt und kann das individuell im Testament berücksichtigen. Und eine gute Versicherungsvertreterin wird von Policen abraten, die unnötig sind, weil der Fall erfahrungsgemäß nie eintritt.

Auch bei der Digitalisierung von Prozessen, die – wenn wir mal ehrlich sind – nur bei Schema F funktioniert, wird oft vergessen, dass man Erfahrungswissen und Intuition nicht programmieren kann.

Start-ups: Der Größenwahn hat Methode

Ein Symptom dafür, dass der Respekt für Erfahrung immer mehr abnimmt, sind disruptive Geschäftsmodelle. In der Video-Rubrik „Duell“ porträtiert das Magazin Impulse jeweils einen Gründer, der einen bestehenden Markt „disrupten“, also „sprengen“ will, im Widerstreit mit dem Inhaber oder Geschäftsführer einer Traditionsfirma.

Ich finde das Format genial. Vor allem, weil es so entlarvend ist. In dem Video unten z. B.  will der Gründer des Matratzen-Start-ups Casper den (zugegebenermaßen verrufenen) Matratzenmarkt von hinten aufrollen – frei nach dem Prinzip „Neue Besen kehren gut“.

Gleichzeitig wird schnell klar, dass er einfach mal keine Ahnung von der Materie hat. Nichtwissen kann ja auch sehr befreiend sein 😀 , aber neben dem Lattoflex-Experten sieht der Typ so blass aus wie eine seiner Matratzen.

Wie doof sind eigentlich die Investoren dieser Startups?? Da behauptet jemand, dass er sich in Windeseile in die Materie eingearbeitet hat (Scheiß auf Ausbildung!). Und dass sein Start-up (oh, Wunder!) ganz ohne all das überlieferte Wissen und die jahrzehntelange Erfahrung traditioneller Matratzenhersteller DIE perfekte Superduper-Allinone-Matratze entwickelt hat. Komisch, dass keiner der alteingesessenen Matratzen-Experten vor ihm daraufgekommen ist. Die fachlich fundierten Antworten von Mr. Lattoflex, der zudem noch bescheiden und respektvoll auftritt, sprechen für sich.

Oder die Fintech-Apps: „Wir erfinden das Banking neu.“ Naja, da gibt es aber schon ein paar traditionelle Banken, die einfach nur ein paar ordentliche Apps in Auftrag geben müssen (was viele mittlerweile gemacht haben) und die einen entscheidenden Vorteil haben: Sie haben die Masse der Kunden. Und deren Vertrauen.

Nach einigen schlechten Erfahrungen mit solchen „kreativen Zerstörern“ überlege ich mir mittlerweile dreimal, ob ich nicht bei einem traditionellen Unternehmen bleibe, das mich mit seiner Erfahrung und Beratungsqualität überzeugt und seinen Mitarbeitern Tariflöhne zahlt, als bei einem Haufen vollgekokster Hipster, die sich anmaßen, den Erfahrungsschatz einer ganzen Branche ignorieren zu können.

Wissen ist Macht, Erfahrung ist mächtiger.

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11 Kommentare

  1. Carrie

    Du hast ja sooooo Recht. Und nochmal ja, dieser Eindruck wird in der Schule verstärkt (mit meinen Auszubildenden war das auch ständig Thema). Aber auch in der Arbeitswelt wird dieser Eindruck forciert. Agile Projektmanagementmethoden und „Wissensmanagement“ suggerieren sowohl den Mitarbeitern als auch den Firmen (-Chefs), dass jeder alles kann und Wissen niemals verloren geht. Was vergessen wird: Wissen ist ein kreativer Prozess, der aus Erfahrung und Wissen neues Wissen schafft. Und genau dieser Pool geht verloren, wenn man versucht Wissen zu konservieren. Für so ein „Wissensland“ wie Deutschland eine verheerende Entwicklung. Dann passiert nämlich genau das, was das Video gut wiedergibt (war es beabsichtigt, dass du nur die Zusammenfassung verlinktest?), die sogenannten „Kreativen“ sprengen den Markt mit alten Dingen, die sie als innovative Ideen verkaufen. Ein echten Mehrgewinn oder etwas bahnbrechend Neues entsteht daraus nicht, sondern reines Preisdumping. Aber das können ganz andere Länder wesentlich besser.

  2. Mira

    Haha, herrlich! Mittlerweile habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zum Wort “einfach” entwickelt. Auch wenn einfache, elegante Lösungen eine Kunst sind, verkrafte ich es nur schwer, wenn in Software Projekten weniger IT-affine Kunden oder Kollegen beschließen, dass es doch ganz EINFACH ist, dies und jenes umzusetzen. Dabei haben sie nicht die geringste Vorstellung, was zu tun ist.

    • Lydia

      Da empfehle ich wieder Dueck: Er unterscheidet zwischen dumm-einfach und smart-einfach, für Letzteres sind Apple-Peodukte ein gutes Beispiel. Smart-einfach ist aber sehr schwer zu erreichen und erfordert viel Arbeit.

    • Hallo Mira,

      das „Problem“ mit EINFACH entsteht aus dem Unwillen der Verwender des Begriffs, sich mit seiner Mehrdeutigkeit auseinanderzusetzen.

      Kurzer Anriss:
      einfach – leicht – schnell – billig – ausgereift – aufwendig
      simple – easy- unique – single – quick – cheap – mature – effortful – expensive – costly

      Ich führe diesen Kampf täglich im Spannungsfeld von
      Sicherheit zu Safety und Security

      „Einfach“ hat auch noch einen sehr gefährlichen Bedeutungsanteil:
      den ingenieurhaften Drang zur Eindeutigkeit.

      Es gibt Wissenschaftler, die darin eine Erklärung für den Fanatismus von gutausgebildeten IS-Akteuren sehen. In meinem Umfeld würde man solche Leute als „Scrum-Nazis“ bezeichnen.
      http://commodus.org/agile18

  3. Ein weiteres Mal: vielen Dank, Lydia!

    Wenn ich Zeuge einer großartigen Leistung bin, die mich anspricht, dann heißt meine übliche Reaktion darauf „Das will ich auch können.“ Und egal, ob es mir gelingt oder ich am Ende eingestehen muss, nicht heranzureichen, das Ergebnis ist immer ein Erfolg.

    Vor allem hilft es mir, den auslösenden Beitrag nach meinen eigenen Bemühungen besser wertschätzen zu können.
    Respekt ist das eine – aufrichtige Wertschätzung eine ganz andere Hausnummer.
    Du selbst wirst Dich zukünftig sicherlich häufiger fragen, ob Du nun „sparen“ willst oder eine Fähigkeit erwerben.

    Wieviele iPhone-Reparaturen siehst Du auf Deinem Karriereweg in den nächsten 10 Jahren?
    Die Antwort darauf ist das, was ein Berater-Klassiker der strategischen Ausrichtung meint:
    Make or Buy?

    Im Rahmen des Buchprojekts vom Company Pirate und mir fühlte ich vor kurzem den Bedarf, den Begriff ‚Kunst‘ zu definieren.
    Das Buch heisst ‚The Art of Collaboration‘. Wir schreiben es in der Sprache, die wir für Englisch halten.

    Die Kunst der Zusammenarbeit sehen wir darin, gereiftes Wissen als Weisheit und gereifte Fähigkeit als Meisterschaft im gegebenen Moment passgenau zur Anwendung zu bringen. Kunst ist demnach angewandte Weisheit durch Meisterschaft.

    Tobias und ich fühlen uns jeder Herausforderung in diesem Zusammenhang gewappnet.
    Deshalb bieten wir an, gezielte Impulse von außen zu geben. Man kann seine größten Herausforderungen aus dem Kollegenkreis als Persona mit nervigem oder unerklärlichem Verhalten in das Textabenteuer einfließen lassen.

    Unser ‚altered Ego‘ Frank begegnet dieser Herausforderung dann im Zusammenhang mit allen anderen Alpträumen, die wir ihm bereiten.
    Frank wird so zu unserem Leisure Suite Larry der Organisationsentwicklung.

    Hier erläutere ich (zweisprachig) das Konzept zu einem Zeitpunkt vor dem ersten Kapitel:
    https://commodus.org/aoc

    Mein aktuellster Blick auf die Sache ist hieraus entstanden:
    https://commodus.org/agile18

    Direkt zum Buch geht es hier:
    https://leanpub.com/aoc

    Viel Spaß!

    • Lydia

      Ich habe keine Karriere mehr. Ich lebe einfach und probiere Dinge aus. Die iphone-Reparatur war sehr lehrreich (und lustig). Das reicht mir.

      • So richtig gestellt hast Du Dich der Herausforderung damit noch nicht.

        Willst Du es zur Meisterschaft in der iPhone-Reparatur bringen, jetzt wo Du weißt, wo die Latte für Dich hängt?

        Oder akzeptierst Du den Vorfall als „Grenz-Erfahrung“ und nimmst ihn als Grundlage für zukünftige Entscheidungen, wenn es darum geht, Expertise wertzuschätzen und zu honorieren?

        Btw. in meiner Welt wäre diese Geschichte – wenn ich sie denn selbst erlebt hätte – ein Baustein in den Preisverhandlungen über meine eigene Expertise.

        Ein Coachee letzte Woche:
        „Wir hätten das sicherlich auch selbst herausbekommen – doch weder so früh, noch in dieser Qualität.“

        Bevor hier ein falscher Eindruck aus einem Neid-Reflex heraus aufkommt:
        Ich akzeptiere meistens die Honorare, die mir geboten werden, wenn mich die Herausforderung lockt. Andere gehen anders vor.
        Ich sage dazu: „ein vierstelliger Tagessatz sichert Dir eine vordere Position auf der Streichliste des Projekts.“

        Ich bin gern über einen möglichst langen Entwicklungszeitraum dabei
        – #Leistbarkeit im Sinne von #Effectuation aus der Perspektive #Augenhöhe.

        Die Schwierigkeit dabei ist: nicht jeder erkennt, wann Meisterschaft und Kunst gefragt ist.
        Das ist auch recht selten der Fall, warum sich „Kunst“ ökonomisch nicht lohnt.

        Wenn man der Behauptung von Gunter Dueck folgt, dann sind das weit weniger als 5% der Fälle. Er sprach seinerzeit davon, dass nur 5% der Entscheidungen Weisheit erfordern.
        Und dann müsste ja noch Meisterschaft benötigt werden, bevor Kunst erforderlich wird.

        Und wenn man dann tatsächlich mit einem solchen Fall konfrontiert ist, dann sollte man gegenseitig und auf Augenhöhe bestimmen können, was der fragliche Beitrag wert ist und nicht unnötig unter Wert verkaufen.

        Hilfreich könnte dazu auch das hier sein:
        https://spiro.ai/customer-asks-for-a-price-discount/

  4. Ardalan

    „Wissen ist Macht, Erfahrung ist mächtiger.“ Danke Dir für diesen schönen Artikel und diese Formel! Ich bin mir jetzt schon sicher, dass mir Dein Satz immer mal wieder in meinen Coachings über die Lippen flutschen wird. 🙂 Vor allem bei Praktikern, die an BABTA (= Bescheidenem Auftreten bei totaler Ahnung) leiden. Davon gibt’s dank unserem perversen Bildungssystem nämlich leider sehr sehr viele. Die dürften mit Blick auf ihre sehr handfeste Expertise wirklich kräftig draufsatteln in Sachen selbstbewusster Auftritt. Leider sind das eben oft die Bescheidenen, die ein selbstbewusstes Auftreten ebensosehr meiden wie der Start-up-Disrupter ein paar Demut bescherende Gespräche mit jenen, die sich schon ein paar Jahrzehntlein länger auf dem gleichen Markt tummeln.

    In diesem Sinne: „Erfahrung hat ihren Preis. Ansonsten zahlen Sie gerne EINFACH 😉 den Preis, Erfahrungen mit den Folgen von Unerfahrenheit machen zu dürfen“.

    LG, lass es Dir gut gehen und Dich noch besser bezahlen!
    Ardalan

  5. Constanze

    Danke, Lydia, you just made my day. Als Buchhalterin bin ich quasi von Berufs wegen Zeugin von Bauchlandungen überambitionierter und unterinformierter Start-ups. Von „Wir erfinden das Galeriewesen neu“ bis zu „Ich kann besser Bücher verlegen als jeder erfahrene Verleger“ hatte ich schon alles dabei. SABTA wohin man schaut.
    Meine Erfahrung: Die Klienten, die durchhalten, sind immer die, die sich auf ihre Kernkompetenz beschränken und darin Erfahrung sammeln, auch wenn’s zwischendurch eng aussieht. Der Rest ist über kurz oder lang bankrott. Leider sind die Kollateralschäden (Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden) oft beträchtlich.
    Mir scheint das Problem zu sein, dass zunehmend die Fähigkeit verloren geht, auf die lange Sicht zu denken. Sich informieren, Erfahrung sammeln, Fehler machen, daraus lernen, Dinge wieder und wieder angehen, bis sie funktionieren – das ist ein ziemlich mühsamer Prozess, und die Instant-Belohnung fehlt.
    Was den Jungs und Mädels dabei völlig entgeht: das zutiefst befriedigende Gefühl, eine Sache wirklich gut zu machen. Rund und schön. Unschlagbar!

    • Lydia

      Word.

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