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PokémonGo ist geil. So. Jetzt hab ich's gesagt.

„Waaas, Du machst auch mit bei dem Quatsch? Einen Kommentar dazu verkneif ich mir mal…“ Jaha, ich jage Pokémons. Weil ich neugierig bin. Weil ich einen Spieleverlag habe und den größten Spiele-Hype der letzten Jahre nicht einfach ignorieren sollte. (Das ist natürlich eine billige Ausrede: Ich brauch’s beruflich. Genau.)  😛
Der wichtigste Grund: Ich will mitreden können. Ich will nicht erstmal alles ablehnen, was neu ist. Und irgendwann technisch (und auch geistig) stehen bleiben.

Ich kenne genug Menschen, für die das, was für andere einen wichtigen Teil ihrer Welt ausmacht (z. B. Twitter, Facebook, WhatsApp, Periscope, Snapchat), böhmische Dörfer sind. Ich will einfach nicht dumm sterben. In meinen Augen ist es auch eine Frage der Allgemeinbildung, sich neue Welten zu erschließen. Man muss ja nicht alles toll finden, aber alles doof finden ist irgendwie auch… doof.
Und auch wenn Hypes nerven – meistens ist was dran, wenn so viele Leuten auf etwas abfahren.
Deshalb hab ich mir das Spiel gestern Abend heruntergeladen. Direkt in meinem Wohnzimmer sitzt das erste Pokémon. Huch! Clever gemacht, so wird man direkt angefüttert und lernt, wie das geht mit dem Einfangen.

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Gotcha!

Dann wird man aufgefordert, doch mal rauszugehen. Na, das lass ich mir nicht zweimal sagen. Auf geht’s zur Jagd!
Schon auf dem Weg zum Park sind auf der virtuellen Karte die ersten Pokéstops zu sehen – zumindest hier in Berlin sind auch ganz witzige dabei.

Und dann war Agent LucyLu3000 gestern Abend im Park unterwegs. In geheimer Mission. Hahaha! Genial, spannend!
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Agent LucyLu3000 auf der Jagd. Das rosa Zeugs ist Lockstoff, um Monster anzulocken.

Und sooo peinlich! Wie so ein doofes Schaf der Herde von Pokémon-Süchtigen zu folgen, die auch die Pokéstops abklappern. Voll dem Kommerz aufgesessen, die Frau Krüger. Und dem Medienhype.
Moment, da ist ein Ei! Was bedeutet das? Egal, erst mal einsammeln. Hoffentlich sieht keiner, wie ich ständig auf mein iphone starre auf der Suche nach Bällen, Eiern und Monstern.
Aber was ist das? Ein Traumato! Kreisch! (Die Entwickler müssen total dicht gewesen sein, als sie sich die Namen ausgedacht haben.  😛 ) Und da drüben ist noch eins – ach nee, das ist nur ein kleiner Junge mit großem gelben Ball. Hihi, wenn der wüsste, dass ich ihn eben einfangen wollte.
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Übrigens: Auch bevor es das Spiel gab, fiel mir bei Abendspaziergängen auf, dass mindestens jeder zweite auf sein Handy starrte oder telefonierte.

Rundherum sehe ich Spaziergänger, die mehr oder weniger unauffällig die Umgebung abscannen. Und ein paar Effizienzjunkies, die ihre Strecken auf dem Fahrrad oder Skateboard abmetern. Denn es kommt auch auf die zurückgelegten KIlometer an. (Man könnte meinen, PokémonGo sei von einer Krankenkasse erfunden worden…)
Moment mal, da hat jemand Lockstoff gestreut, um Monster anzulocken. Nix wie hin! 🙂
Oh mein Gott, was für ein Spaß! PokémonGo drückt viele Knöpfe bei einer Spielernatur: Abenteuerlust, Sammelleidenschaft, Entdeckerfreude, Jagdinstinkt, Kampfgeist. Es ist – soweit ich das bislang beurteilen kann – harmlos und lustig. Auch, weil man immer wieder über sich selbst und die anderen Spieler lachen muss.
Das Spiel baut eine Brücke zwischen der echten und der virtuellen Welt. Und klar, es ist auch ein Mindfuck. Siehe die Sache mit dem kleinen gelben Poké-, äh, diesem Jungen. Man ist halt mit dem halben Kopf in der virtuellen Welt. Aber das ist jemand, der auf der Straße telefoniert, auch. (Ich komme gerade aus Italien, Leute!)  🙂
Und das hier ist erst der Anfang. Ich hätte da direkt ein paar coole Ideen, was man noch so machen könnte. Denn eigentlich stehe ich nicht auf quietschbunte Monster. So ein virtueller Hund zum Gassigehen hingegen… Just give me a call, Niantic!
Ganz ehrlich: Ich würde das Spiel gern in vollen Zügen genießen, ohne mich dafür schämen zu müssen. Oder gar rechtfertigen. Es ist ein Spiel, Leute. Nicht der Untergang des Abendlandes.
Und wer zur Hölle bestimmt eigentlich, was cool ist und was nicht? Fleisch essen, Whitney Houston gut finden oder gar die Kanzlerin, bei einer Bank arbeiten, Pokémons jagen – damit ist man schon den verächtlichen Urteilen seiner Umgebung ausgesetzt. Ernsthaft jetzt? Was ist mit Toleranz, Offenheit für Neues und so?
Ich sag Euch jetzt mal was: PokémonGo ist geil. Ihr verpasst was, wenn Ihr es nicht wenigstens mal ausprobiert habt. Und wenn es Euch nicht interessiert, dann lasst den anderen ihren Spaß.
So wie mein Nachbar, dem ich gestern abend eine WhatsApp schickte:
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Keine Ahnung, ob er wusste, worauf er sich einließ. Aber ich fand’s cool.  🙂
 
PS: Was hat das jetzt mit meinem Blogthema Arbeit zu tun? Dreh Dich mal auf Deinem Bürostuhl, hinter Dir sitzt ein Pokémon! 😀

Fotos und Screenshots: Lydia Krüger

17 Kommentare

  1. Ilaina

    Mir will die App zuviel in die Privatsphäre eingreifen (ich sag nur GPS Daten). Und ich habe ein BB, dafür gibt es die App eh nicht. Problem gelöst (hab zwar ein Android Tablet, aber das schleppe ich sicher nicht dauernd mit 😉 ).

    • Das stimmt, aber das tut Google Maps auch. (Das Spiel basiert auf Google Maps.) Ich werd’s auch sicher nicht ständig spielen. Dafür saugt es einfach zu viel Akku… 😉

      • Ilaina

        Google Maps hab ich nicht aufm Handy oder Tablet 😉

  2. Nadja

    Geil, das du mich zitierst. Musste ich direkt lachen.
    Aber tut mir leid, ich finde es pure Zeitverschwendung und kann einfach besseres mit meiner Zeit anfangen als ständig wie so ein Smombie auf mein Fon zu starren.
    Da geh ich lieber raus….schau mir das Leben an, die Natur, küsse , liebe, lebe ,lache….
    Verstehst?
    Real life und so…..das knallt!
    :*

    • „Nichts ist Zeitverschwendung, wenn man die Erfahrung weise nutzt.“ Auguste Rodin. Aber danke für die Inspiration für den Artikel. 😉

  3. Haha dein Avatar sieht genauso aus wie meiner 😀 na ja gibt ja auch nicht viele gestaltungsmöglichkeiten. noch nicht. ich denke auch dass man nicht gleich wieder schwarz oder weiß denken sollte. solange man es nicht übertreibt und zum zombie motiert und alles andere um sich vergisst ist doch alles ok.

    • Hihi. Hast Du schon rausgefunden, wie das mit den Teams geht?

      • team kann man sich erst mit stufe 5 auswählen. oder was meinst?

        • Ach so. Soweit bin ich noch nicht…

          • du kannst dann zwischen team blau, gelb und rot wählen. ich kenne noch keinen der in team gelb ist 😀

          • Na, da bin ich mal gespannt. Heute abend ist wieder Jagd angesagt… 🙂

          • Ich geh auch meist abends, da ist es ruhiger draußen und man wird nicht so leicht überfahren 😀 spaß.

  4. Skully

    Zumindest etwas Datensicherheit kann man sich selbst genehmigen:
    Nach der Installation (oder wenn es die Software gleich zulässt, bestimmte Berechtigungen gleich blockieren) die erforderlichen Berechtigungen überprüfen und unnötige entfernen. In diesem konkreten Fall: Gehen Sie auf Google’s Security-Seite und suchen Sie nach „Pokémon Go“. Wählen Sie „Pokémon Go“ aus und klicken Sie auf „Remove“ bzw. „Entfernen“, um den vollständigen Zugriff zu wiederrufen. Starten Sie das Spiel auf Ihrem Gerät.
    GPS & Foto braucht die APP, sonst funkts nicht.
    GPS nach dem Spiel wieder aussschalten (sollte sowieso gemacht werden). Es sei denn man mag das Google einen traced und die Bewegungsdaten schön aufzeichnet.
    Ich werd es jetz auch mal testen. Meine Töchter sind auch ganz irre danach. Will sehen ob ich Lydia`s Meinung teilen kann…

    • Skully

      Nachtrag: Stimme Lydia zu. Bin eine Stunde durch mein Dorf getappert und habe einiges eingesammelt. Gut in der Zeit stürzte das Spiel 6 mal ab, liegt an der Serverüberlastung der Spielgemeinde… Ist schon lustig wenn das Monster im Garten eines Grundstücks wartet…
      Nein, es macht Laune und ich bin freiwillig 1 Stunde relativ zügig unterwegs gewesen. Ich betrachte es als Bewegungsmotivation. Für mich ist das gut. Vor dem PC / TV habe ich auch Spaß, aber nicht die Bewegung….
      Bin nun gespannt auf den ersten Sonntagsspaziergang bei meiner Mum, auf den hat aus der Familie nie jemand Lust. Das kann sich nun ändern…grins.

  5. Bettina

    eh jede wie sie mag……..
    stimmt schon, es schaut auch so jeder eineinhalbte auf sein Smartfon (so wie jede Deutsche eineinhalb Kinder hat ;-), aber so viele Menschen wie im letzten Jahr habe ich nie zuvor im Stadtpark gesehen (außer beim Genussfestival)

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