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Falscher Job – was nun?

Ich habe mich schon immer gern mit Leuten über deren Arbeit unterhalten. Und wenn ich jetzt neuen Bekanntschaften von Büronymus erzähle, sprudelt es aus vielen Leuten nur so heraus. Was ich erschreckend finde: Es gibt so viele Menschen, die ganz offensichtlich im falschen Job gelandet sind. Oder sogar noch früher falsch abgebogen sind: bei Ausbildung oder Studium. Ganz ehrlich: Auch ich wusste nie, was ich eigentlich werden wollte (der Fluch der vielseitig Interessierten! 😉 ) – schon gar nicht mit 18, 19 Jahren.
Nun ist ja das Herummäandern in verschiedenen Jobs nicht das Schlechteste – man lernt viel dabei. Bleibt man dann allerdings irgendwo stecken, wo man eigentlich nicht hingehört, nimmt das Unglück seinen Lauf. Denn diese Menschen sind nicht einfach nur unzufrieden, genervt oder gelangweilt von ihrem Job. Nein, sie sind in den Tiefen ihrer Seele unglücklich.

Unglücklich im Job

Das ist schlimm, denn ich bin überzeugt davon, dass in jedem von uns ein Potenzial schlummert, das entdeckt und ausgelebt werden will. Ich habe selbst erlebt, wie ein Kollege aufblühte, nachdem er innerhalb des Unternehmens den Job wechselte. Ausgerechnet im Call Center fand er seine Bestimmung. Für mich überraschend, aber ich war fasziniert, als ich dort hospitierte und beobachtete, mit welcher Leichtigkeit er telefonierte und wie es ihn offensichtlich befriedigte, den Kunden weiterhelfen zu können.
Er sah aus, als hätte er seit Jahren nichts anderes getan. Dabei war er erst vor ein paar Wochen dorthin gewechselt. Er war in seinem Element. Oder im Flow. (Anmerkung: Sollte es daher nicht im Interesse eines jeden Unternehmens sein, seine Mitarbeiter unbedingt an die richtige Stelle zu setzen – entsprechend ihren Talenten? Produktivität und so? Der Menschenverstand sagt Ja – die Realität sieht mal wieder anders aus…)

Ein falscher Job macht krank

Umgekehrt ist es, wenn man sozusagen im Anti-Flow steckt. Denn das kann krank machen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß:

  1. Deine Identität wird geschwächt.
    Jedes mal, wenn Du etwas tust, das Dir gegen den Strich geht und Dir (und Deinen Werten) nicht entspricht, schwächst Du Deine Identität. Du wirst Dir immer unähnlicher und erkennst Dich irgendwann kaum wieder. Du spielst notgedrungen eine Rolle und fühlst Dich wie eine leere Hülle, die morgens aufsteht und zur Arbeit fährt. Irgendwann weißt Du nicht mehr genau, wer Du bist und was Du willst.
  2. Falscher Job – falsches Leben
    Du hast nur noch wenig Spaß an der Arbeit – und wenn Arbeit Dir wichtig ist, wird sich diese Freudlosigkeit auch auf Dein Leben jenseits der Arbeit auswirken. Du kannst dann auch in Deiner Freizeit weniger Spaß haben und kannst Dein sauer (!) verdientes Geld kaum genießen. Eine subtile Traurigkeit legt sich über Dein Leben wie ein grauer Schleier.
  3. Deine Wut nimmt zu.
    Du fühlst Dich gleichzeitig wütend und hilflos – Du kannst ja doch nichts ändern. Diese Wut geht meistens nach innen oder wird an den falschen Leuten ausgelassen (Familie, Freunde, die Verkäuferin im Supermarkt). Oder Du frisst sie in Dich hinein, betäubst sie mit Alkohol, Drogen, Internet usw.
  4. Du verlierst den Zugang zu Deinen Kraftquellen.
    Es ist paradox, aber gerade jetzt, wo Du Kraft gut gebrauchen könntest, fehlt Dir der Zugang zu ihr. Ob in der Natur, bei Musik oder Sport – was Du normalerweise zum Auftanken nutzt, funktioniert nicht mehr. Oder Du bist schon zu schwach, um etwas Wohltuendes in Angriff zu nehmen.
  5. Du ignorierst erfolgreich Dein Bauchgefühl.
    Tief in Dir drin kennst Du die Wahrheit, aber Du ignorierst sie. Wie sagte eine Gesprächspartnerin letztens: „Ich habe mich selbst nicht wichtig genommen.“ Bitte nimm Dich wichtig! Denn je häufiger Du über Dein Bauchgefühl hinweggehst, desto mehr gewöhnst Du Dich daran und triffst immer neue ungute Entscheidungen.

Ich glaube, es wird deutlich: Je länger Du in diesem Zustand verharrst, desto mehr schwächst Du Dich. Im schlimmsten Fall geht es so weit, dass Du gar nicht mehr die Kraft hast, eine Veränderung einzuleiten. Oder richtig krank wirst. Also: Handle jetzt!
Edit: Was ich noch vergessen hatte zu schreiben: 🙂
Wenn Du dann nämlich am richtigen Platz bist und tust, was Dir entspricht, kehren sich all diese Prozesse um: Du stärkst Dich mit jedem Tag, an dem Du glücklich arbeitest. Freude nimmt zu, Wut nimmt ab. Du gewinnst wieder Zugang zu Deinen Kraftquellen und lernst, wieder auf Deine Intuition zu hören. Du wächst über Dich hinaus. Das Leben ist schön! 🙂
Baum pflanzen

14 Kommentare

  1. Hat dies auf thilographie|de rebloggt und kommentierte:
    Sehr treffende Beschreibung.
    Der Klassiker: „Love it, change it, or leave it“ hat bisher nichts an Wahrheit und Aktualität eingebüßt.

    • Danke fürs Rebloggen! Ja, von außen sieht das immer so einfach aus. Aber wenn man drinsteckt…

    • Danke fürs Rebloggen, Fuhriello!

  2. Andre

    Sehr wahr. Nur wie kommt da wieder raus, wenn man keine Alternative findet?

    • Es gibt immer eine Alternative, aber oft sieht man sie nicht. Ich schreibe gerade ein Buch darüber.

      • Daniel

        Wenn es eine Alternative gäbe, würde es sich nicht derart als Problemfeld aufgebaut haben.
        1.Alleine die Suche nach Rat im Intenet
        2.Die Existenz eine DIESER Seiten
        3.Die Masse und Fülle an „Gleichklang“ im offenem Internet,
        -> nein, wenn es eine Lösung gäbe, dann wäre ich bei Ausschöpfung meiner Möglichkeiten nicht hier gelandet.
        ??: Wenn das eine SO EINFACHE Lösung gibt, dann her damit, aber keinesfalls MLM, Affiliate Marketing, HYIPs oder änlich unseriöses, sondern eine ganz unvirtuelle WIRKLICHE Lösung für Hier und Jetzt … (wenn es DIE gäbe, auch dann wäre ich nicht hier)

      • André B.

        Ich schließe mich Daniel an. Wie sieht es denn mit dem Buch dazu aus?

        • Ist fast fertig. 😬 Muss zwischendurch immer mal Geld verdienen, das hält etwas auf. Und natürlich der verdammte Perfektionismus…

  3. Die besagte Unzufriedenheit kann aber auch daher rühren, dass man mit völlig überzogenen Idealvorstellungen an einen Job herangeht. Thema „Selbstverwirklichung“.
    Manchmal sind Jobs eben auch nur dazu da, dass am Ende des Monats ein paar Knöpfe auf dem Konto landen, die den Salat bezahlen. Aber eben nur bei manchen Menschen.

  4. Mohana

    Bei der Suche im Netz habe ich gerade diesen Artikel gefunden. Er ist schon etwas älter. Trotzdem möchte ich gerne kommentieren.
    Ich bin 34 – mit Ausbildung arbeite ich nun 18 Jahre lang im Büro. Kein Abitur – habe am Anfang mal neben dem Job Fachabitur nachgemacht, weil ich immer mal studieren wollte.
    Seit 12 Jahren bei einem ehemals im öffentlichen Dienst stehenden, jetzt privaten Arbeitgeber. Das heißt, sehr gute soziale Leistungen für die Angestellten, ganz gute Bezahlung. Habe mir einen positiven „Namen“ intern gemacht. Trotzdem bin ich seit 18 Jahren unglücklich.
    Mir war schon im 2. Lehrjahr bewusst, dass ich mich bei der Wahl meiner Ausbildung vertan habe. Damals hieß es dann von zu Hause: Entweder du ziehst das durch oder wir stellen dir die Koffer vor die Tür. (Sie meinten es nur gut … ich weiß…) Ich bin von zu Hause weg gezogen. 300 km weiter in eine große Stadt wegen eines Mannes. Der Mann ist weg. Der Arbeitgeber der Gleiche.
    Ich musste mir mit 21 in der Großstadt irgendwie was aufbauen, damit ich eine Wohnung bezahlen kann. So verbrachte ich dort die ersten 4 Jahre. Die nächsten 4 Jahre verbrachte ich in einer Abteilung, in der ich gemobbt wurde. Es war etwas Technisches und ich die einzige Frau. Dachte ich sei stark genug, mich da durchzubeißen, was schlussendlich in der Psychiatrie endete.
    Habe intern mit Hilfe der Personalabteilung gewechselt und stehe jetzt seit 4 Jahren auf einer „Reservestelle“. Eigentlich habe ich einen festen Arbeitsvertrag… aber sollte es mal zu wirtschaftlichen Problemen kommen, wäre ich eine der Ersten, die geht. (Das ist aber tatsächlich eher unwahrscheinlich)
    Jetzt habe ich seit 4 Jahren einen Mann an meiner Seite mit dem ich alt werden will. Wir wollen ein Haus weit draußen kaufen, damit wir gemeinsam mit unseren Tieren abschalten können. Er ist selbstständig, seit er 21 ist. Ackert mindestens 10 Stunden am Tag. Aber das sicherere Geld verdiene ich … und meistens auch mehr.
    Mit dem Geld, was uns die Bank für den Hauskauf anbietet, suchen wir nun schon seit 2 Jahren etwas und finden nichts, weil alles viel teurer ist.
    Vielleicht sind es Luxusprobleme. Ich habe mich aber in meinem Job verfangen. Take it, change it or leave it ist irgendwie nicht machbar. Bisher hat mich jede Arbeit im Büro irgendwann an meine Grenzen gebracht, weil es irgendwann dazu kam, dass man nicht wertgeschätzt wird oder man im Kompetenzkampf der Chefs unter die Räder kommt. Ich hab keinen Bock mehr darauf, weniger Wert zu sein, als die Leute mit Studium neben mir, nur weil die einen Bachelor gemacht haben.
    Tja … irgendwie suche ich schon lange eine Lösung und finde keine. Habe meinen Freund gefragt, ob er mir ein Tierarztstudium finanzieren würde (natürlich mit Vollabi davor!). Er hat gelacht … gequält. Er weiß, warum ich das frage.
    Und jetzt laufen mir die Tränen. Das ist keine Einstellungssache. Sorry 🙁
    Liebe Grüße – ich werde jetzt mal deine Seite weiter durchlesen.

    • Hi Mohana, danke für Deinen Kommentar. Also, ich möchte hier niemanden zum Weinen bringen. 🙁 In dem Artikel geht es eher darum, was es mit einem macht, wenn man den Absprung aus dem falschen Job immer weiter hinauszögert. Ich habe das am eigenen Leib erlebt und schreibe also warnenderweise aus Erfahrung. (Und wenn ich endlich mit meinem Buch vorankomme, gibt es bald ausführlicher zu lesen, warum es so schwer ist, sich zu befreien.)
      Eigentlich hast Du ja schon eine Vision, was Du machen möchtest. Vielleicht wäre es eine Idee, den Blick zu weiten und machbare Alternativen zu suchen, die nicht so viel Kapital oder ein Studium erfordern. Also, alles eine Nummer kleiner. Eher gucken, was geht und nicht, was nicht geht. Auch mehr daran denken, was man gewinnt, statt was man verliert. Das ist sehr schwer, wenn man im Sog des vermeintlich sicheren Jobs ist – ich weiß.
      Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, den ersten Schritt zu tun. Sich erst mal rauskämpfen aus dem Schlamassel, um mal ein bisschen Licht zu sehen. Dieser Schritt sollte natürlich überlegt sein, aber Tun ist letztlich wichtiger als Sich-immer-weiter-den-Kopf-zerbrechen. Wenn man dann erst mal auf der Schiene in die Freiheit sitzt, rollt man immer weiter. 🙂 Ich drück Dir auf jeden Fall die Daumen und wünsche Dir, dass Du Dich und Dein Glück im Leben wichtig nimmst. Unsere Zeit ist ja begrenzt. Liebe Grüße, Lydia

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